close
AzureInterviewVeranstaltung, Event, Konferenz

Interview mit Rainer Stropek zum Global Azure Bootcamp 2017

Header Azure Bootcamp 2017 für sharepoint.at 740×456

Wir freuen uns hier bei SharePoint.AT heute ganz besonders über ein Gespräch mit dem Organisator des Global Azure Bootcamp 2017 Austria, Rainer Stropek. Dabei ist Mr. Azure mit seiner Veranstaltung am 22. April 2017 im Wissensturm Linz nicht „ganz alleine“. Vielmehr organisiert Rainer den österreichischen Beitrag zu einem weltweit abgewickelten Community Event – dem Global Azure Bootcamp. Weltweit finden an diesem besonderen Tag zahlreiche Azure Bootcamp Veranstaltungen an verschiedensten Standorten gleichzeitig statt.

Nahed Hatahet: Lieber Rainer, herzlichen Dank, dass wir uns auch dieses Jahr wieder in Form eines Interviews unterhalten dürfen. Ich persönlich freue mich immer sehr über diese Möglichkeit und möchte auch gleich beginnen. Rainer, Du bist Azure Experte und engagierst Dich in der Community mit wertvollen Beiträgen und zählst sicherlich zu den bekanntesten Persönlichkeiten im deutschsprachigen Raum, wenn es um Expertenwissen zu Azure geht. Dabei entwickelt sich Azure sehr rasch weiter, ich möchte fast sagen täglich. Wie geht es Dir dabei, wie informierst Du Dich selber und wie kann man immer am Laufenden bleiben in dieser rasanten Cloud Welt?

Rainer Stropek: Das ist zweifellos die mir aktuell am häufigsten gestellte Frage. Der wichtigste Tipp von mir dazu: neugierig bleiben. Man kann einer Welle an Neuerungen entsetzt gegenüberstehen oder sagen „oh schön, neues Spielzeug“. Die Herausforderung ist, Zeit dafür zu finden, sich mit den neuen Dingen zu beschäftigen. Ich persönlich zwinge mich bis zu einem gewissen Grad dazu, indem ich Nebenprojekte annehme. Ein Magazinartikel, Video, Vortrag, Training, Community-Event oder irgendetwas in der Art. Ich achte darauf, dass es etwas ist, was mir Spaß macht, am Herzen liegt und einen fixen Endtermin hat. So kann ich es nicht auf die lange Bank schieben.

Ich will aber nicht so tun, als wäre die Veränderungsgeschwindigkeit in der IT keine Herausforderung. Man muss in unserer Branche so viel Zeit in Weiterbildung investieren, dass nur Personen, die den Job wirklich lieben, langfristig dranbleiben können. Wer einen Job in der IT als lästige Pflicht sieht, fällt zurück. Für mich ist Softwareentwicklung mein liebstes Hobby und mein Beruf gleichzeitig. In dieser Hinsicht hatte ich Glück, die richtige Aufgabe für mein Berufsleben zu finden.

Nahed Hatahet: Das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz ist da und eines der großen Themen im Jahr 2017. Microsoft hat es sich zur Aufgabe gemacht „Machine Learning“ für jeden leicht zugänglich zu machen und in eigene Software integrieren zu können. Diese Technologien werden viele neue Möglichkeiten für Softwareentwickler ermöglichen und in unsere Applikationen integriert sein. Was bietet Azure heute in diesem Umfeld und was wird kommen, willst Du uns dazu etwas verraten?

Rainer Stropek: Machine Learning revolutioniert unseren Alltag und macht auch vor der Softwareentwicklung keinen Halt. Was mir am Ansatz von Microsoft in Sachen Machine Learning gefällt, ist, dass nicht nur grundlegende Programmbibliotheken angeboten werden. Azure enthält fertige PaaS Services, die neben den ML Algorithmen auch die Datenverwaltung, Trainingsprozesse und das Ausführen der Modelle übernehmen. Das ist im Bereich Machine Learning wichtig, da Daten – und meistens sind es sehr viele Daten – im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Wie in allen Teilen der Cloud ermöglichen die fertigen PaaS Angebote, dass sich Entwicklungsteams auf ihr konkretes Geschäftsproblem konzentrieren können und nicht erst die technische Grundlagenarbeit machen müssen.

Microsoft geht aber noch einen Schritt weiter: Die „Cognitive Services“ sind Web APIs, die es noch schneller und einfacher machen, bisher sehr schwierige bzw. teure Aufgaben wie Gesichts- oder Spracherkennung in Softwareprodukte einzubauen. Die Einstiegshürde war zu hoch. Heute meldet man sich zum PaaS Dienst an, fügt ein paar Web API Aufrufe in die Software ein und kann dem Kunden binnen kürzester Zeit einen konkreten Nutzen bieten. Man bezahlt nach Umfang der Nutzung und erspart sich teure Initialinvestitionen. Ich bin schon sehr gespannt, welche Anwendungen wir in naher Zukunft sehen werden, die Gebrauch von solchen Diensten machen.

Last but not least arbeitet Machine Learning in Azure in vielen Bereichen hinter den Kulissen. Speziell im Bereich Security sorgt ML für das Erkennen möglicherweise unerlaubter Zugriffe, warnt bei Anzeichen fehlerhafter Services und vieles mehr. Selbst wenn Entwickler ML noch nicht explizit verwenden, im Hintergrund ist diese Technologie bei allen großen Cloudanbietern allgegenwärtig.

Nahed Hatahet: In Office 365 gibt es bereits viele Komponenten die auf dieser Technologiebasis „intelligente Helfer“ bereitstellen. Ein sehr gutes Beispiel ist sicherlich Office 365 Delve oder auch die Clutter Funktionalität in Office 365 Outlook. Mit dem Microsoft Bot Framework kann man intelligente digitale Gesprächspartner (=Bots) erstellen und in Azure bereitstellen – zur sofortigen Verwendung in diverse Kommunikationskanälen. Bots helfen Benutzer bei täglichen Aufgaben und Fragen – dabei kann ein Bot auch Aufgaben erledigen (=Bot Intelligenz). Können Bots heute bereits auf Grund von „Erfahrung“ lernen, also sind Bots selbstlernende Computerprogramme und wenn nicht, wann wird es so weit sein?

Rainer Stropek: Bei diesem Thema triffst du mich auf dem falschen Fuß. Auch wenn ich weiß, was Bots sind und einen Überblick darüber habe, was das Bot Framework macht, reicht mein Wissen nicht, fundierte Aussagen zu dem Thema zu machen. Das ist aber ein gutes Beispiel dafür, dass niemand heutzutage in Sachen Microsoft-Cloud alles wissen kann. Das Feld ist einfach viel zu breit. Für mich liegt die Lösung für das Problem in Zusammenarbeit statt Konkurrenz. Wärst du ein Kunde und würdest mir diese Frage stellen, hätte ich quasi einen Telefonjoker. Ich wüsste jemanden, der Experte in Sachen Bots ist und würde einen Kontakt mit ihm herstellen.

Kein Kunde erwartet von uns Beratern, dass wir alles wissen. Es ist manchmal schwierig, „das weiß ich leider nicht“ zu sagen. Es ist aber notwendig, um glaubhaft zu bleiben. Meiner Erfahrung nach nimmt einem das kein Kunde übel – solange man es nicht immer sagt. Wenn man bei einer Wissenslücke einen Kontakt herstellt und so dem Kunden eine Lösung geliefert wird, gewinnt man das Vertrauen des Kunden und es entsteht eine Geschäftsbeziehung, die mit großer Wahrscheinlichkeit lange anhalten wird.

Nahed Hatahet: Wir erhalten bereits so viele Informationen, dass wir genau diese intelligenten Unterstützungen benötigen – um nur noch für uns interessante Informationen zu erhalten. Der digitale „Butler“ reagiert dabei auf Grund unseres Benutzerverhaltens. Unheimlich interessantes Thema und doch ist es so, dass viele Gespräche zeigen, dass auch eine gewisse „Angst“ immer da ist. Konkret ist es die Angst überwacht zu werden und diese werden oft von Mitarbeitern in Unternehmen angesprochen. Du hast ja mit CoderDojo https://coderdojo-linz.github.io auch sehr viel mit Kindern im Umfeld mit Technologie zu tun. Spreche ich mit Jugendlichen über dieses Thema, scheint keine Angst vorzuherrschen. Warum gibt es Deiner Meinung diese Angst nicht bei Jugendlichen und Kindern und ist die Angst bei Erwachsenen überhaupt berechtigt?

Rainer Stropek: Kinder und Jugendliche wachsen mit Technologien auf, die unsere Generation erst im Erwachsenenalter kennengelernt hat. Für sie sind sie selbstverständlich. Wir sehen als erstes die Gefahren, die Jugendlichen bewerten vorrangig die Möglichkeiten. Ich sehe diese Entwicklung aber nicht nur positiv. Jugendliche übersehen manchmal Gefahren, weil ihnen nicht bewusst ist, was im Hintergrund passiert. Social Media Postings sind schnell gemacht, dass man im Hintergrund aufgrund des Inhalts bewertet, durch Werbung beeinflusst und in Informationsblasen gesteckt wird, muss man den jungen IT-Nutzern erst bewusstmachen.

Im von dir erwähnten CoderDojo, einem kostenlosen Programmierclub für Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 17, führen wir die jungen Coder spielerisch an Softwareentwicklung heran. Es geht nicht darum, lauter Entwicklungsprofis aus ihnen zu machen. Sie sollen verstehen, wie Software funktioniert, wo die Grenzen liegen und was damit machbar ist – im positiven und im negativen Sinn. Wenn ein Jugendlicher zum Beispiel seinen ersten Minecraft-Server im Internet betreiben will, fragt er natürlich, wer aller darauf zugreifen kann. Genau diese Diskussion wollen wir in Gang bringen. Die Kinder und Jugendlichen sollen die Konsequenzen ihrer Handlungen im Internet verstehen, um bewusst entscheiden zu können, welche Dienste sie verwenden wollen und was ihnen zu weit geht.

Nahed Hatahet: Rainer, vielen Dank für Deine Zeit und das wie immer sehr interessante und wertvolle Gespräch. Lass mich auch die Gelegenheit nutzen an dieser Stelle hervorzuheben, was du für die Community leistest und Dir danken, dass wir wieder als Sponsor und Speaker unseren Beitrag leisten dürfen!

Falls wir mit dem spannenden Interview Ihr Interesse geweckt haben, hier gibt es nähere Infos zum Event.

 

Sabine Steiner

The author Sabine Steiner

Sabine ist im Bereich Marketing Assistenz und Auftragsabwicklung in einem Wiener IT-Beratungsunternehmen tätig und arbeitet als SharePoint Anwenderin täglich mit Office 365 und SharePoint Lösungen.

Leave a Response