close
AllgemeinInterview

Interview – Unternehmen haben zu viel Software, Benutzeroberflächen und Informationen

Denn Software löst keine Probleme, beobachtet Nahed Hatahet, Gründer der HATAHET productivity solutions GmbH in seinen Projekten bei Großunternehmen, die ihren Mitarbeitern einen zukunftsfähigen digitalen Arbeitsplatz bieten wollen. Er ist einer der führenden Experten wenn es um Collaboration und Workplacetechnologien geht. Confare – Gemeinsam.Besser.Machen hat ihn im Vorfeld des 11.Confare CIO SUMMITs, wo sich am 11/12. April mehr als 500 IT Professionals aus dem DACH Raum treffen, gefragt, welche Erwartungen er an den Einsatz von Bots und KI am Arbeitsplatz hat und warum es nicht getan ist, einfach ein Tool für bessere Zusammenarbeit einzuführen.

Lesen Sie hier das ganze Interview:

Welches Bild hast Du vom Digitalen Arbeitsplatz der Zukunft? Wie wird Arbeiten künftig aussehen?

Nahed: Wir sehen den Arbeitsplatz der Zukunft als gesamtheitliches Konzept, das übergreifend gedacht wird. Im Großen geht es um einen Wandel und die Transformation der Arbeitskultur heutiger Unternehmen mit modernen Technologie-, Kommunikations- und Bürokonzepten. Dabei werden uns künstliche Kollegen und intelligente Kommunikationsmittel zur Seite stehen und Arbeiten für uns übernehmen – ob wir wollen oder nicht. Es wird eine neue Kommunikationskultur entstehen und Systeme werden uns besser informieren. Diese intelligenten Helfer werden vor allem verstehen, welche Informationen gerade eben im nächsten Arbeitsschritt benötigt werden und uns diese präsentieren. Der digitale Arbeitsplatz der Zukunft optimiert sich selbst und wird uns Menschen von der ewigen Last befreien, wissen zu müssen, wo was zu finden ist. Uns werden einfach in allen Lebenslagen die richtigen Informationen, die wir auch wirklich benötigen, zur Verfügung gestellt. Unternehmer und deren Mitarbeiter sollten sich dabei auf eine ganz andere Art der Arbeitsweise mit Computersystemen und Software einstellen. Ein Transformationsprojekt fokussiert dabei vor allem die dafür nötigen organisatorischen Begleitprozesse, neben den üblichen Technologie- und Bürokonzepten. Dabei wird Künstliche Intelligenz einen besonderen Teil dazu beitragen.

Welche Partner sollte sich ein Unternehmen suchen, um solche „transformatorischen“ Schritte anzugehen?

Nahed: Die Transformation der heutigen Zeit zieht sich wie ein roter Faden durch alle Aspekte des Lebens. Der Wandel benötigt somit auch Partner, die den übergreifenden Wandel wirklich verstehen und dafür ein Feingefühl mitbringen. Es reicht einfach nicht mehr aus, der Technologiespezialist oder der Organisationsberater zu sein – auch wir als HATAHET haben uns selbst als Berater transformieren müssen, um den Anspruch am Markt gerecht zu werden. Die Berater der Zukunft müssen einfach beide Aspekte verstehen und Kompetenzen aus beiden Bereichen in sich tragen und sich dahingehend verändern. Nur so kann der Wandel ganzheitlich verstanden und beraten werden. Unternehmer, die heute Partner für Transformationsprojekte suchen, benötigen Berater, die in der Lage sind, die Arbeits- und Kommunikationskulturen von Unternehmen zu analysieren und den Wandel dieser zu planen, umzusetzen sowie vor allem organisatorisch zu begleiten. Benötigt werden also Basiskonzepte, um solche Projekte überhaupt umsetzen zu können. Wir als Berater liefern dabei einen Rahmen und ein Vorgehensmodell zum Digitalen Arbeitsplatz der Zukunft – mit dem Unternehmen dann langfristig transformieren können. Dabei legen wir sehr viel Wert auf die Beratung der bereits angesprochenen organisatorischen Begleitmaßnahmen für eine erfolgreiche ganzheitliche Transformation.

Für viele beginnt der Schritt Richtung Collaboration und modernem Arbeitsumfeld mit der Auswahl von Software – Ist das der richtige Schritt um anzufangen?

Nahed: Nein, denn Software löst nun mal keine Probleme, wie wir aus jahrelanger Erfahrung selbst lernen mussten. Ein Softwaretool kann nun mal keine Menschen und Arbeitsweisen verändern, auch wenn es noch so gut ist und alle Funktionen bietet. Die Menschheit hat seit der Geburt der Informationstechnologien Unmengen an Softwareprogrammen produziert und die modernen Cloudtechnologien beschleunigen diesen Vorgang zusätzlich. Mit der Cloud Technologie kommen darüber hinaus im Wochentakt neue Funktionen und Softwaretools auf den Markt – und es wird nicht einfacher. Das Ergebnis: Unternehmen haben zu viele Softwarekomponenten, zu viele verschiedene Benutzeroberflächen und nicht zuletzt zu viele Informationen. Menschen haben bereits vor geraumer Zeit den Überblick verloren und wir alle tun uns bereits sehr schwer, wissen zu müssen, über welches Tool ich welche Information bekomme und das am besten schnell. Da helfen auch punktuelle Schulungen nicht weiter, um die vielen Softwarelösungen bedienen zu können. Software muss vor allem selbsterklärend werden. Wir alle leiden in Wirklichkeit bereits an der digitalen Demenz und suchen verzweifelt täglich nach benötigen Informationen. In der Hoffnung, dass alles besser wird, lassen sich Unternehmen von Herstellern die neusten Softwarelösungen zeigen, die alles versprechen und können sollen. Damit verändert man aber einfach keine Arbeits- und Kommunikationskultur eines Unternehmens. Vor allem bei „Collaboration“ geht es in erster Linie darum, dass man die (Zusammen-)Arbeitsweise der Anwender verändert. Es macht wenig Sinn „Collaboration“ als Software eingeführt zu haben, wenn sich Benutzer nach wie vor ihre eigenen Ablage-Inseln in Unternehmen schaffen und Informationen nach wie vor per Mail herum gesendet werden.

Welche Rolle werden Bots und KI dabei spielen?

Nahed: Wir produzieren bereits heute derartig viele Informationen, dass wir sie in unserer endlichen Zeit nicht mehr verarbeiten können. Jeder von uns erlebt dies täglich, wir versinken quasi in der Informationsflut. Künstliche Intelligenz wird uns über einen Digitalen Arbeitsplatz dabei unterstützen, aus diesen vielen Informationen jene zu filtern, die wir persönlich benötigen und für uns auch interessant sind – und dies im Kontext, was jemand eben gerade für Aufgaben erledigen muss. Dabei wird Künstliche Intelligenz als virtueller Assistent zur Verfügung stehen und von unserer täglichen Arbeitsweise und Kommunikation lernen, was wir üblicherweise so benötigen und was nicht. Diese künstliche Intelligenz wird sich dabei permanent selbst weiter entwickeln und optimieren. So entsteht ein einzig auf den Benutzer zugeschnittener digitaler Assistent, der u.a. Fragen beantworten kann, Informationen für uns suchen wird und den nächsten Termin mit einem Kunden vereinbaren kann – und der uns einfach „kennen“ wird. Der Digitale Assistent wird dabei die Software Tools für uns benutzen, ohne dass wir diese unbedingt noch im Detail verstehen werden müssen. Diese Künstliche Intelligenz wird auch in den Software-Tools einfach enthalten sein und alle Software Funktionalitäten optimieren und damit im Hintergrund arbeiten. Bots werden dabei die aktive (oder passive) Interaktion und Kommunikation mit einer Künstlichen Intelligenz ermöglichen, denn Bots nutzen herkömmliche menschliche Verhaltensweisen und bieten eine natürliche Interaktion. Ein Bot selbst agiert dabei als das „Gesicht“ zum Benutzer. Ein Bot selbst bedient sich im Hintergrund einer oder mehrere künstlicher Intelligenzen und nutzt darüber hinaus die Software Tools und deren Daten. Ein Bot ist damit ein virtueller Begleiter und Mitarbeiter der Zukunft, der uns Menschen am Digitalen Arbeitsplatz zur Verfügung stehen wird. Ein sehr gutes Beispiel ist unser hauseigener AngeBOT, ein Bot der uns Standardangebote im Unternehmen und in weniger als eine Minute bereitstellt, richtig ablegt und auf Wunsch an unseren Kunden sendet ohne dass der Benutzer die Tools und Ablagen noch kennen muss. Diese digitalen Arbeitskollegen werden auch unsere Sprache verstehen, werden simultan übersetzen können und nutzen andere digitale kognitive Intelligenz um eine möglichst dem Menschen nachempfundene natürliche Interaktion mit Computern zu ermöglichen: Unsere Sprache und unseren menschlichen Verstand. Das Zeitalter von Künstlicher Intelligenz und Bots ist angebrochen, wir befinden uns gerade am Anfang und man sollte bei solchen Projekten heute einfach auch realistisch bleiben – auch wenn schon sehr viel möglich ist und wir alle bereits heute überall Künstliche Intelligenz im Alltag nutzen, oft ohne, dass es uns bewusst ist.

Mit welchen Themen sollte man sich als CIO schon jetzt befassen?

Nahed: Neben der typischen technischen Digitalisierung von Unternehmen, wie man das ja seit der Geburt der Informationstechnologie gewohnt ist, geht es jetzt vor allem darum, die Transformation eines Unternehmens zu begleiten. Dies wird nur möglich sein, wenn sich ein CIO mit seiner IT-Abteilung selbst verändert und transformieret. Der unumgängliche Schritt in die verschiedensten Clouds verlangt ein komplett anderes Verständnis von IT. Software wird laufend automatisch bereitgestellt und verändert sich wöchentlich. Es geht also u.a. nicht mehr darum Software zu verteilen und zu betreiben, sondern deren Funktionen zu verstehen, zu verwalten und im Unternehmen zu etablieren. Es geht nicht darum krampfhaft in die Cloud zu gehen um vermeintlich Kosten zu sparen um dann die vielen neuen Funktionen und Tools nicht managen zu können. Wir erleben es leider laufend, dass Fachbereiche plötzlich Tools verwenden oder Software Funktionen verändert wurden und der CIO und sein Team davon nichts wussten. Die Cloud hat sich wieder mal einfach verändert und niemand hat davon etwas gewusst – mit all den Problemen die daraus entstehen. Die Cloud muss einfach anders betrieben werden oder die Cloud betreibt einen. Während sich am Markt diese wichtige „Erkenntnis“ bereits verbreitet und viele aus dem „die Cloud wird alles lösen“ Traum bereits aufwachen, befassen sich viele CIOs eben genau jetzt mit der Transformation der eigenen IT und damit auch der IT Mitarbeiter und sich selbst – alle müssen umdenken und sich verändern. Die Cloud liefert darüber hinaus derartig viele Möglichkeiten, dass selbst der CIO und die IT-Abteilung verständlicherweise keinen Überblick mehr haben können. Vielen Beratern geht es ähnlich, kaum hat man was beraten, ist es bereits verändert oder es gibt etwas Neues. Hat ein CIO früher mit einer Handvoll Partner gearbeitet und vieles auch selbst gemacht, wird dieser in Zukunft vermehrt mit vielen hochspezialisierten Partnern zu tun haben – je nachdem, was ein Unternehmen für Dienste dann nutzen will. Ein CIO und sein Team sollten daher unserer Meinung nach verstehen, was Bots und Künstliche Intelligenz für ein Unternehmen bedeuten, welche Möglichkeiten diese bieten können und welche Ängste diese bei Benutzern mitbringen werden. Technisch gesehen wird das dann einfach aus der Cloud genutzt und ein hochspezialisiertes Unternehmen wird die Anforderung dann gemeinsam mit dem CIO und seinem Team umsetzen. Betrieben wird es in der Cloud. Idealerweise wird der CIO mit seiner Mannschaft der übergreifende Berater für das Unternehmen, der dabei hilft und weiß, mit welchen Diensten der Cloud entsprechende organisatorische Anforderungen umgesetzt werden können. Darüber hinaus hält er Kontakt zu hochspezialisierten Partnern und weiß, welcher davon die Anforderung mit seinem Team gemeinsam umsetzen kann. Der CIO soll die digitale Transformation einer Organisation begleiten, Fachabteilungen sowie Unternehmensführung in deren Anliegen beraten und sich langfristig nicht mehr um den Betrieb von Servern und Software kümmern.

Sabine Steiner

The author Sabine Steiner

Sabine ist im Bereich Marketing Assistenz und Auftragsabwicklung in einem Wiener IT-Beratungsunternehmen tätig und arbeitet als SharePoint Anwenderin täglich mit Office 365 und SharePoint Lösungen.

Leave a Response