close
AllgemeinInterviewSocial Networking, CommunityVeranstaltung, Event, Konferenz

Interview – Statt Profit muss jetzt der Mensch für Unternehmer im Mittelpunkt stehen

Als Unternehmer ist Nahed Hatahet, CEO von HATAHET und Mitglied der KMU-Plattform, tagtäglich mit jenen Veränderungen konfrontiert, die durch die digitale Transformation sowohl seine Kunden als auch das eigene Unternehmen betreffen. Als Vorstandsmitglied des VÖSI (Verband Österreichischer Softwareindustrie) vertritt er eine ganze Branche dabei, im globalen Wettbewerb zu bestehen. Er erlebt im eigenen Unternehmen HATAHET productivity solutions und bei den Projekten, die im Auftrag namhafter österreichischer Organisationen passieren, dass eine neue Generation neue Anforderungen an ihr Arbeitsumfeld hat. Dabei stehen Unternehmenskultur und Sinnhaftigkeit der Arbeit auf dem Prüfstand. Nur in zweiter Linie ist also der digitale Wandel ein technologisches Phänomen. Im Vorfeld seines Vortrages beim 12. Confare CIO SUMMIT am 3. und 4. April in Wien hat Confare ihn gefragt, was das für ihn persönlich bedeutet, wie ein modernes Arbeitsumfeld aussieht, aber auch, welche Technologien wir ihm Auge behalten sollten.

Lesen Sie hier das ganze Interview!

Wie wirkt sich die Digitale Transformation auf Dich als Unternehmer und Führungskraft aus?

  Nahed: Sehr positiv würde ich sagen. Führung ohne eine laufende Veränderung der „Umwelteinflüsse“ wäre für mich persönlich langweilig und würde mich auch nicht wirklich erfüllen. Als Führungskraft eines Unternehmens, das vor allem die digitale Transformation berät, ist der digitale Wandel mein täglicher Begleiter. Auch wenn der digitale Wind schon mal sehr heftig wehen kann. Ich persönlich liebe Veränderung und brauche dies wie Luft zum Atmen. Laufend vor neuen Herausforderungen zu stehen und diese mit mit dem eigenen Team meistern zu dürfen – was will man mehr im Businessleben? Als Führungskraft ist es mir besonders wichtig, selbst die Veränderung zu sein, bestmöglich zu leben, zu erfahren und daraus zu lernen. Der digitale Wandel verlangt vor allem eine Transformation der Arbeitskultur und die dafür nötigen richtigen Entscheidungen von Führungskräften. Eine Unternehmenskultur für Menschen zu schaffen, die ausgestattet mit den richtigen digitalen Werkzeugen mit Leidenschaft an Visionen und Zielen arbeiten, war schon bei unserer Unternehmensgründung eines unserer strategischen Ziele. Wir beraten vor allem auch unsere eigenen Erkenntnisse und Erfahrungen – wir leben den digitalen Arbeitsplatz und die damit notwendige Transformation der eigenen Arbeitskultur. Als Führungskraft in Zeiten des digitalen Wandels lasse ich diese Veränderungen zu. Ich versuche es vor allem selbst vorzuleben, bin offen für Neues und bringe dies in Einklang mit der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens. Ich liebe es mich täglich in unserer eigenen Unternehmenskultur entfalten zu können und es ist unheimlich schön zu sehen, wie sich die eigentliche Kreativität unserer Talente mittels Teamwork und offener Kommunikation so richtig entfalten kann. Unser Businessmodell unterstützt daher genau diese notwendige Agilität im Zeitalter der digitalen Transformation.

Welche Anforderungen haben Mitarbeiter an moderne Digitale Arbeitswelten?

Nahed: Die moderne Arbeitswelt mischt sämtliche Karten neu – ein neues Spiel, nicht nur für Führungskräfte. Die neue digitale Arbeitergeneration will sich beruflich erfüllen und damit ist nicht Geld oder sonstiges Materialistisches gemeint. Es geht vielmehr darum Erfüllung auch im beruflichen Leben zu erreichen und glücklich sein zu können. Die Sinnfrage steht im Vordergrund. Arbeit muss sich mit dem Lebensstil der jungen dynamischen Generationen vereinen lassen. Konkret bedeutet das, dass der Arbeitsplatz überall sein kann und muss – eine der wichtigsten Anforderungen von MitarbeiterInnen an Unternehmen. Mein Arbeitsplatz folgt mir einfach, egal wo ich bin, egal mit was ich arbeiten will und vor allem egal wann ich arbeiten will – vergleichbar mit dem Internet, das ja auch überall und immer verfügbar ist. Diesen „Internet-Lebensstil“ erwarten sich die neuen Angestellten der Zukunft, daher sollte dieser für jedes Unternehmen eine Selbstverständlichkeit sein. Es macht wenig Sinn, einer „älteren“ Arbeitergeneration ein hippes Büro hinzustellen in der Meinung, dass nun das gesamte Unternehmen hipper geworden ist – man sollte diesbezüglich weniger auf Zukunftsprognosen hören bzw. sich mehr auf die eigene Erfahrung im Unternehmen konzentrieren und mit messbaren Zielen arbeiten. Niemand glaubt noch, dass man mit einem Büro alleine eine Firma und deren MitarbeiterInnen hipper machen kann! Auch ist ein hippes Büro kein Schlüsselfaktor für eine moderne Arbeitskultur, denn Kultur kann man nicht einfach kaufen – diese muss durch Menschen etabliert werden. Digitale Angestellte benötigen eine Arbeitskultur, in der sie sich vor allem kreativ entfalten und damit persönlich erfüllen können. Moderne Angestellte suchen Unternehmen mit einer gelebten Arbeitskultur und mit kreativen Köpfen, die im Kollektiv und mit Leidenschaft für ihre Sache arbeiten – dies sollte doch die eigentliche Erfüllung für uns alle im Beruf sein. Wer als Unternehmen in Zukunft den Menschen und dessen Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen wird, kann wachsen. Oder man macht dies nicht und wird eben keine Menschen mehr finden, die für einen arbeiten wollen. Das Besondere an dieser Zeit des Wandels ist, dass man sich die zukünftigen kreativen Köpfe nicht mehr einfach nur mit viel Geld leisten können wird. Man wird vor allem eine moderne Arbeitswelt mit digitalen Werkzeugen und insbesondere eine gute Unternehmenskultur bieten müssen.

Wo haben Unternehmen Deiner Erfahrung dabei die größten Baustellen?

Nahed: Viele Unternehmen sind rein profitorientiert und versuchen mit noch weniger Menschen noch mehr zu verdienen – vor allem, wenn diese von Aktionären „getrieben“ werden. Die größte Baustelle, die Unternehmen dabei hinterlassen haben, sind die arbeitenden Menschen – also das wichtigste Gut eines Unternehmens. Wir Menschen fühlen uns vermehrt überarbeitet, leiden an Ermüdungserscheinungen oder digitaler Demenz. Parallel wird der 12 Stunden-Tag eingeführt – kein gutes Signal, denn die gesamte Gesellschaft schreit bereits nach mehr Menschlichkeit. Interessant ist, dass sich Unternehmen durch den Mangel an qualifizierten Personal nun wirklich mit dem Thema Unternehmenskultur beschäftigen müssen – ein sehr schöner Zwang, wie ich persönlich finde. UnternehmerInnen erkennen vermehrt, dass die Großbaustelle „MitarbeiterIn“ angegangen werden muss und lösen dadurch unbewusst bereits den ersten Schritt zu dem so dringenden Arbeitskulturwandel aus – denn die Grundlage für eine erfolgreiche digitale Transformation ist die Veränderung der Menschen und nicht zuletzt sollte man sich vor allem auch als Führungskraft und UnternehmerIn selbst transformieren.

Was sind die Erfolgsvoraussetzungen für eine wirkliche Transformation?

Nahed: Die wichtigste Erfolgsvoraussetzung für eine digitale Transformation ist eine digitale Denkweise des Unternehmers und der Unternehmerin, als auch deren Managements – insbesondere in den IT-Abteilungen sowie hinsichtlich der Agilität. Es geht um den digitalen Wandel des gesamten Unternehmens und dessen Businessmodells – neu denken ist angesagt und dies muss vor allem zuerst mal von der Führung und dem Management eines Unternehmens ausgehen. Interessant ist, dass fast jedes größere Unternehmen heute ein Projekt zum Thema digitale Transformation hat und der Meinung ist, dass dieses Projekt auch irgendwann mal zu Ende sein wird – nämlich dann, wenn das Unternehmen transformiert ist. Noch interessanter ist, dass diese Projekte meist in einer „Fachabteilung“ umgesetzt werden. Die digitale Transformation ist in Wirklichkeit jedoch wesentlich mehr. Es geht darum eine Unternehmenskultur zu schaffen und dahingehend zu etablieren, dass sich diese permanent den Umweltveränderungen des digitalen Wandels anpassen kann – denn eines ist sicher, in der digitalen Welt ist nichts so beständig, wie die Veränderung. Die wirkliche Transformation kann nur über ein entsprechendes Verständnis im Management erfolgen, eine Erfolgsvoraussetzung für jede digitale Transformation. Es ist an der Zeit, dass sich auch die Führungskräfte selbst verändern und sich der digitalen Transformation auch wirklich stellen.

Welche Technologien spielen dabei eine Rolle und wie schätzt Du die Bedeutung von KI dazu ein?

Nahed: Das digitale Werkzeug spielt in der Transformation eine nicht unwesentliche Rolle, ganz im Gegenteil, die Möglichkeiten moderner Technologien sind u.a. ein Treiber des digitalen Wandels. Der digitale Arbeitsplatz, welcher als zentraler Zugangspunkt dient, stellt den digitalen Angestellten jene Informationen und Werkzeuge personalisiert bereit, die gerade benötigt werden – egal wo man sich befindet. Dabei ist der Arbeitsplatz auch von überall technisch sicher erreichbar. Die Kerntechnologien eines digitalen Arbeitsplatzes sind dabei digitale Content-, Kollaborations- und Kommunikationslösungen, welche vor allem die Teamproduktivität steigern. Zusätzlich werden die Informationen und Werkzeuge aus dem „Backend“ in diesem einheitlichen „Workplace-Frontend“ personalisiert bereitstellt. Man muss somit nicht unbedingt mehr in das „Backend“-System einsteigen, kann dies aber bei Bedarf. Der wahre digitale Arbeitsplatz ist jedoch kein einzelnes Produkt oder gar eine einzelne Technologie – auch wenn uns die jeweiligen Hersteller dies unbedingt so verkaufen wollen. Es reicht nun mal nicht aus, nur bestehende Produktplattformen umzubenennen und viel Marketing dafür zu machen, wie dies aktuell am Markt passiert. Man ist sehr gut beraten, eine digitale Arbeitsplatzstrategie vor allem herstellerunabhängig zu planen. Denn eines zeigt der digitale Wandel: Produkte und Technologien verändern sich laufend.

Bisher werden die Parameter für eine personalisierte Bereitstellung von Informationen am digitalen Arbeitsplatz gut geplant und dann idealerweise laufend optimiert. Die meisten Unternehmen schaffen es jedoch zeitlich einfach nicht an diesen laufenden Optimierungen zu arbeiten, wie die Erfahrung zeigt. Genau hier kommt nun Artificial Intelligence (AI) ins Spiel, nämlich maschinelles Lernen. Dabei wird die AI-Maschine laufend mit den „lebenden“ Nutzungsdaten versorgt. Diese Daten werden zur Laufzeit ausgewertet, optimiert und entsprechende künstlich intelligente „Schlüsse“ daraus gezogen. Das heißt eine Maschine lernt aus den Nutzerdaten und optimiert die Informationsbereitstellung am digitalen Arbeitsplatz vollautomatisiert sowie intelligent – und dies genau zugeschnitten auf das Unternehmen und den Mitarbeiter/die Mitarbeiterin, der/die gerade damit arbeitet. Einfach genial!

Weiter wird KI vor allem auch im Bereich der Inklusion am digitalen Arbeitsplatz einen sehr wertvollen Beitrag für unsere gesamte Gesellschaft leisten – was mich besonders freut und das Ganze noch spannender macht. So können digitale kognitive Dienste zum Beispiel Menschen mit Einschränkungen unterstützen und damit besser in die moderne Arbeitswelt inkludieren. Mittels AI lassen sich automatisch Untertitel in Videos erstellen und man kann u.a. über Gesten den Arbeitsplatz bedienen bzw. kann eine AI Gesichter und deren Gemütszustand erkennen sowie darauf reagieren.

Menschen können dank AI vermehrt in ihrer natürlichen Art und Weise mit Technik kommunizieren und damit bestmöglich unterstützt werden – und das weit über den Einsatz von intelligenten Software Bots hinaus.

Es gibt sehr viele Möglichkeiten, wie diese neuen Technologien uns Menschen ein besseres Leben ermöglichen, nicht nur am digitalen Arbeitsplatz der Zukunft. Eine digitale Transformation wird ohne AI nicht möglich sein. Es wird Zeit, dass Computer endlich intelligentere Aufgaben übernehmen. AI wird die Menschheit von Routineaufgaben befreien und uns allen mehr Zeit für kreativere Tätigkeiten geben. Die einzige Gefahr sind wir Menschen selbst, die verantwortlich sind, dass diese Technologien ethisch und moralisch richtig eingesetzt werden – im Sinne einer besseren Gesellschaft und damit einer besseren Lebensqualität für uns alle. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, muss dann jeder selbst beurteilen – ich persönlich glaube an uns Menschen.

Melanie Swoboda

The author Melanie Swoboda

Melanie ist im Bereich Marketing & Communications in einem Wiener IT-Beratungsunternehmen tätig und arbeitet als SharePoint-Anwenderin täglich mit Office 365- und SharePoint-Lösungen.

Leave a Response